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Repräsentativität bei Online-Mafo

von Theobald Tiger

Wie ist das eigentlich mit der Repräsentativität bei Online-Befragungen? Nachdem ja die Internetuser nicht ident sind mit der Gesamtpopulation, kann ich ja nie eine repräsentative Stichprobe ziehen. Oder muss ich wsrten, bis die Internetpenetration 100% beträgt?

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AW: Repräsentativität bei Online-Mafo

by Peter Koppe

Das kommt wie immer darauf an, was man erreichen will. Repräsentativität sagt ja nur aus, dass die überprüften Merkmale in der Stichprobe mit jenen in der Grundgesamtheit übereinstimmen. Ist es das Ziel, ein repräsentatives Sample nach den Kriterien Alter, Geschlecht, Bildung, etc. zu erzielen, so ist das auch bei Online-Studien möglich.

Es stellt sich aber die Frage, ob ein Online-Sample in anderen, in der Regel nicht kontrollierten, Eigenschaften der Grundgesamtheit (z.B. aller ÖsterreicherInnen) entspricht. Tatsächlich sind in den Online-Panel der Marktforschungsinstitute die innovativen, am Neuen interessierten Modernitätsgewinner überproportional vertreten. Ich wage es daher zu bezweifeln, dass man derzeit online ein repräsentatives Sample nach z.B. den Sinus Milieus finden kann. Eine Studie unter den Internetmuffeln ist sicher nicht möglich. Nicht aus Zufall wird Online-Forschung am stärksten bei internet-affinen Themen durchgeführt.

Statistikpuritaner würden zudem einwenden, dass eine Online-Studie stets nur die Grundgesamtheit der Internetuser abbilden kann, weil nicht alle ÖsterreicherInnen die gleiche Wahrscheinlichkeit haben, in die Stichprobe zu kommen. Das sollte man aber nicht zu ernst nehmen, schließlich gilt diese Ablehnung auch für andere Erhebungsarten (telefonisch) oder generell für eine Stichprobenziehung mittels Quotaverfahren.

AW: Repräsentativität bei Online-Mafo

by Marian Osicka

> Wie ist das eigentlich mit der Repräsentativität bei
> Online-Befragungen? Nachdem ja die Internetuser nicht ident
> sind mit der Gesamtpopulation, kann ich ja nie eine
> repräsentative Stichprobe ziehen. Oder muss ich wsrten, bis
> die Internetpenetration 100% beträgt?

Wann und wo gibts 100%? Wer eine rep.Ö. Befragung durchführen will, kann dies mit einem Quotenansatz jetzt schon durchführen. Der schlechteste Weg ist dabei zu einem Online-Institut zu gehen, welches das eigene Panel (gespeicherte Personen) mit Geschenken und Geld lockt. Und wie oft werden diese Personen pro Tag befragt? Geschwindigkeit ist nicht alles!
Ein Weg führt zu den renommierten Instituten, die das bereits anbieten. Ein genau so guter und billiger Weg ist, aus einem Adressenpool zu schöpfen, der sich aus verschiendenen Web-Plattformen rekrutiert. Diese Personen haben Ihre pers. Daten plus Interessen freiwillig und ohne Bezahlung angegeben.
Marian Osicka
www.mms.ag

AW: Repräsentativität bei Online-Mafo

by Manfred Machold

EINIGE GEDANKEN ZUR ?REPRÄSENTATIVITÄT? VON ONLINE - BEFRAGUNGEN

Der Begriff Repräsentativität wird leider sehr unterschiedlich interpretiert; so stellen viele Laien immer wieder die Frage, wie "repräsentativ" die Ergebnisse einer Studie sind, meinen jedoch meist, wie "sicher bzw. verlässlich" (signifikant) sie sind. Andere glauben, dass es für die Repräsentativität einer Studie ausreicht, wenn die Stichprobe anteilsmäßig die gleichen soziodemografischen Merkmale (also ein ?maßstabgetreues Abbild?) wie die Grundgesamtheit, für die sie steht, enthält.

Doch Repräsentativität für eine x-beliebige Grundgesamtheit ist mehr als ein Abbild; denn jede und jeder, der/die dieser Grundgesamtheit angehört, sollte die gleiche Chance haben, in eine (Personen-) Zufallsstichprobe "aktiv" (also vom Institut) gewählt zu werden. Das bedeutet jedoch, dass bei Online-Befragungen prinzipiell keine repräsentativen Aussagen für die Österreichische Bevölkerung getroffen werden können, sondern bestenfalls nur für bestimmte Usergruppen; aber nicht einmal für Online-User können derzeit mangels entsprechender Userdaten immer repräsentative Aussagen geboten werden. Und schon gar nicht in dem Erhebungszeitraum, der derzeit (oft nur wenige Stunden oder Tage) zur Anwendung kommt; denn auch die Erhebungszeit ist neben dem Sample (Stichprobenziehung) und der Anzahle der Interviews ein wesentliches Kriterium, das für VERLÄSSLICHE (= repräsentative und auch sichere) Aussagen unumgänglich ist (wobei natürlich auch Größe und Ausschöpfung der Stichprobe Berücksichtigung finden sollte!).

Und letztlich müssen die Ergebnisse einer quantitativen Studie, um auch repräsentativ und verlässlich in der Aussage (und damit "nahe der Wahrheit") zu sein, gemäß der tatsächlichen Verteilung der Grundgesamtheit gewichtet werden. Letzteres ist aufgrund fehlender statistischer Informationen über die Gesamtheit der Internetuser bzw. der Zielgruppe leider meist (noch) nicht möglich.

Was kann man dann derzeit Online im Internet befragen? Vor allem Themen, die das Internet betreffen! Und im Internet "verlässlich" können nur z.B. Besucher einer bestimmten Webseite oder Mitglieder, Kunden, etc, deren E-Mailadressen bekannt sind, befragt werden, was mrm seit 1999 auch erfolgreich durchführt.

Trotz eines eigenen mrm- Adressenpools von rund 10.000 ?antwortbereitwilligen? Internetusern kann und wird mrm als seriöser Marktforscher im Internet KEINE für Österreich repräsentative Befragungen anbieten, sondern seriöse Entscheidungs- und Orientierungshilfen qualitativer und quantitativer Natur.


Manfred Machold,
mrm Markt- und Kommunikationsforschung

AW: Repräsentativität bei Online-Mafo

by Andrea Heltner

Ihren Kommentar zur "Repräsentativität" von Befragungen habe ich mit großem Interesse gelesen. Besonders Ihre Aussagen darüber, welche Ansprüche eine Studie erfüllen muss um repräsentativ (im Sinne von "Aussagekräftig") zu sein, waren sehr aufschlußreich.

Mich beschäftigt jedoch die Frage, welche Aussagen man über die Repräsentativität einer qualitativen Befragung treffen kann. Kann man z.B. auf der Grundlage von Tiefeninterviews Aussagen treffen, die repräsentativ für eine Grundgesamtheit stehen? Oder muss man, um allgemeine Aussagen zu erhalten, grundsätzlich quantitative Befragungen durchführen?


 
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