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"Ehrlichkeit" bei Interviews
von
Dagmar Bauer
hallo,
ich habe längere zeit an einer studie eines mafo-instituts teilgenommen, die neue katzenfuttersorten testen sollte. alle zwei wochen wurde mir gratis katzenfutter sowie ein gutschein für einen supermarkt im wert von eur 10,- zugestellt, zusammen mit einem fragebogen. in diesen sollte ich jeden tag eintragen, wieviel meine katze vom jeweiligen testprodukt gefressen hat, um so feststellen zu können, welche futtersorten bei den tieren am besten ankommen (das futter sollte auch jeden tag genau abgewogen werden). nun war es so, dass die mitarbeiterin des mafo-instituts, die mir das katzenfutter brachte, mich gleich zu beginn darauf hinwies, dass ich es mit besagtem fragebogen "ja nicht so ernst nehmen müßte" und ihn im notfall auch "irgendwie" ausfüllen könne, hauptsache, sie könne ihn mitnehmen, wenn sie mit der nächsten lieferung kommt. logischerweise wurde sie pro fertig ausgefülltem bogen bezahlt. es wäre also scheinbar wirklich angebracht, die leute auf stundenbasis abzurechnen, anders haut das offenbar (und irgendwie auch verständlicherweise) nicht hin.
schönen tag noch,
dagmar
Comments
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AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Anna E.
Damm
Ich frage mich, ob eine derartige Diskussion über "Ehrlichkeit" bei Interviews auch in MaFo- Unternehmen- speziell unter den Interviewern - geführt wird. Leider ist es so, dass die Interviewer selbst am Ergebnis nicht interessiert sind und es ihnen nur darum geht, das geforderte Pensum an Fragebögen unters Volk zu bringen.
Zur Ausübung dieses Jobs braucht man keine langjährige fundierte Ausbildung, also ist es nicht weiter verwunderlich, dass dahinter nicht immer ein Interesse an Mafo steht.
Nur, was kann man dagegen tun?
Es ist ja auch nur all zu verständlich, dass diese INterviewer so schnell wie möglich die beantworteten Fragebögen in der Hand haben wollen. Was da drauf steht ist egal.
Aus der laufenden Diskussion könnte man also schließen, dass ziemlich viele Umfragen und deren Ergebnisse auf falschen Daten basieren.
Warum orientiert man sich dann dennoch daran?
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Anna E.
Damm
Ich frage mich, ob eine derartige Diskussion über "Ehrlichkeit" bei Interviews auch in MaFo- Unternehmen- speziell unter den Interviewern - geführt wird. Leider ist es so, dass die Interviewer selbst am Ergebnis nicht interessiert sind und es ihnen nur darum geht, das geforderte Pensum an Fragebögen unters Volk zu bringen.
Zur Ausübung dieses Jobs braucht man keine langjährige fundierte Ausbildung, also ist es nicht weiter verwunderlich, dass dahinter nicht immer ein Interesse an Mafo steht.
Nur, was kann man dagegen tun?
Es ist ja auch nur all zu verständlich, dass diese INterviewer so schnell wie möglich die beantworteten Fragebögen in der Hand haben wollen. Was da drauf steht ist egal.
Aus der laufenden Diskussion könnte man also schließen, dass ziemlich viele Umfragen und deren Ergebnisse auf falschen Daten basieren.
Warum orientiert man sich dann dennoch daran?
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Alice
Wegscheider
Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass eine stundenweise Bezahlung notwendig ist, um die Qualität von Interviews zu steigern. Der Interviewer nimmt sich in diesem Fall viel mehr Zeit um das Interview zu führen, wodurch es viel sorgfältiger ausfällt. Dem Interviewer wird der Zeitdruckgenommen, er kann sich intensiver mit dem Befragten auseinander setzen.
Ich denke auch, dass die verschiedensten Marktforschungsinstitute ihre Interviewer zu wenig auf das Feld vorbereiten. Anstatt einer intensichen Interviewerschulung werden Kosten eingespart. Ich denke es wäre besser weniger Interviews durch zu führen, dafür aber qualitativ bessere!
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Philipp
Rissel
> Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass eine stundenweise
> Bezahlung notwendig ist, um die Qualität von Interviews zu
> steigern. Der Interviewer nimmt sich in diesem Fall viel
> mehr Zeit um das Interview zu führen, wodurch es viel
> sorgfältiger ausfällt. Dem Interviewer wird der
> Zeitdruckgenommen, er kann sich intensiver mit dem Befragten
> auseinander setzen.
> Ich denke auch, dass die verschiedensten
> Marktforschungsinstitute ihre Interviewer zu wenig auf das
> Feld vorbereiten. Anstatt einer intensichen
> Interviewerschulung werden Kosten eingespart. Ich denke es
> wäre besser weniger Interviews durch zu führen, dafür aber
> qualitativ bessere!
>
Die stundenweise Bezahlung in der Offline-Marktforschung ist ganz sicher ein Qualitätsfaktor. Man denke an den folgenden Fall: Ein Respondet legt bei einer 20 minütigen Telefonumfrage 2 Fragen vor Schluß auf, sei es weil er genervt ist, einen schlechten Tag hatte etc. Der Interviewer, der nach vollständigen Interviews bezahlt wird, wird ziemlich sicher die 2 fehlenden Fragen dazuerfinden und damit das Ergebnis verfälschen. Zum Schluß doppelt tragisch, da hier meist der Teil mit den personenbezogenen Daten manipuliert wird.
Du schreibst, es wäre besser weniger dafür qualitativere Interviews durchzuführen. Das ist so ne Sache. Bei Umfragen mit hohem Sample z.B. Telekommunikations-umfragen ist das kaum zu bewältigen. Hier greifen fast alle Institute auf Studenten zurück.
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Florian
Riedler
hi,
ich kann aufgrund meiner interviewer-tätigkeit bei mehreren marktforschungsinstituten mit unterschiedlichen entlohnungssystemen nur bestätigen, dass eine bezahlung nach vollständigen interviews der qualität bzw. der authentizität der ergebnisse sehr schadet. über fälschung bzw. vervollständigung von interviews wird unter den befragern meiner erfahrung nach offen gesprochen. ich bin mir auch sicher, dass die verantwortlichen personen der einzelnen institute sich dieser tatsache ebenso bewusst sind.
bei stundenweiser bezahlung sinkt allerdings meines erachtens die motivation, überhaupt ein interview erfolgreich abzuschließen, dermaßen, dass die häufig unter zeitdruck stehenden institute ihre aufträge unmöglich termingerecht erledigen können.
die günstigste, wenn auch nicht ideale, lösung ist es meiner meinung nach, bei einem erfolgsabhängigen entlohnungssystem genaue kontrollen der befragungs-qualität und -richtigkeit durchzuführen. vorausetzung ist natürlich eine adäquate einschulung der interviewer.
mfg, florian
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Irene
Thierjung
Ich bin auch der Meinung, daß eine stundenweise Entlohnung nicht unbedingt nur Vorteile haben muß. Wenn der Interviewer stundenweise bezahlt wird und nur des Geldes wegen bei dem Marktforschungsinstitut arbeitet, ist es ihm wahrscheinlich egal, wieviele Interviews er bekommt - Hauptsache, er bekommt das Geld.
Andererseits wird ihn das Marktforschungsinstitut nicht lange für sich arbeiten lassen, wenn er keine Ergebnisse liefert - und das setzt ihn auch wieder unter Druck. Möglichweise fälscht er auch dann Ergebnisse.
MfG,
Irene
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by ulrike
schalling
Hallo!
Ich finde auch, dass die Bezahlung nicht nur pro abgeschlossenem Interview stattfinden sollte, da ja jeder soviel Geld wie möglich in kürzester Zeit verdienen möchte. Daher kann es durchaus vorkommen, dass die Qualität bzw. die Auswahl der Interviewpartner darunter leidet.
Ich bin daher der Ansicht, dass es von Vorteil wäre, wenn es zwar einerseits einen geringen Stundenlohn gäbe, aber andererseits auch ein Bonushonorar, das mit dem Erfolg von abgeschlossenen Interviews berechnet wird. Dadurch ist man einerseits motivierter gewissenhaftere und auch zeitintensivere Arbeit zu leisten und andererseits auch auf den Abschluss der Interviews bedacht.
Ein solches Bezahlungssystem hat sich auch bereits bei anderen Dienstleistungsbereichen bewährt, wie etwa beim Kellnerieren bei Heurigen. Da verdient man nur einen geringen Stundenlohn und wird dann am Umsatz beteiligt. So wird jeder Mitarbeiter dazu angespornt, motiviert mitzuarbeiten.
L.G. Uli
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Florian
Riedler
hi!
hab bereits bei einem institut gearbeitet, das ein(von der kollegin angesprochenes) bonus-system basierend auf einem fixen stundenlohn verwendet. ich halte es grundsätzlich für eine motivations- und qualitätsfördernde idee, allerdings ist es dabei besonders wichtig, die transparenz des entlohnungs-systems zu gewährleisten, was bei dem von mir angesprochenen institut leider nicht der fall war.
schöne grüße, florian
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Michael
Leitner
Noch eine Anmerkung zur Idee, die Interviewer stundenweise zu entlohnen:
Das kann sicherlich bei telefonisch durchgeführten Umfragen funktionieren, da der Interviewer im Büro des Mafo-Institutes sitzt und dadurch leicht kontrollierbar ist, wie lange er beschäftigt ist.
Bei Interviews "im Feld" ist das aber unmöglich. Der Interviewer ist selbstständig unterwegs und niemand kann feststellen, wiel ange er wirklich arbeitet. Deshalb gibt es in diesem Fall meiner Meinung nach keine Alternative zur Bezahlung pro Fragebogen. Die einzig wirksame Maßnahme zur Qualitätssicherung sind stichprobenartige Kontrollen der Interviewer.
Mfg
Michael Leitner
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by Luise
Walchshofer
Es gibt wohl die Möglichkeit, Interviewer im Feld stichprobenartig zu kontrollieren, aber oft sind die Interviewer auch darauf gefaßt und bereiten den Probanden mehr oder weniger dezent darauf vor. (So geschehen bei einer Dame, die sich im Zuge einer Mehrthemenumfrage an mich wandte.) Zitat: "Und in ca. zwei Wochen wird sie dann jemand vom Institut anrufen und fragen, ob ich Ihnen die Umfrage und den Fragebogen gut erklärt habe und ob ich auf Ihre Fragen eingegangen bin und so. Das sind die Leute, die die Interviewer dann kontrollieren sollten." Sie hat nicht direkt gesagt, ich solle ihr bitte ein gutes Zeugnis ausstellen, aber durch die Blume sehr wohl.
Mfg, Luise Walchshofer.
AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews
by michaela
baumgartner
summa summarum kommt es in der offline-marktforschung also darauf an, daß die interviewer die sache interessiert. nur dann kann man am ehesten ausschließen, daß die interviewer schwindeln. in der online-marktforschung wird man aber niemals nachvollziehen können, ob der befragte alleine war, als er/sie die antworten gab bzw. ob überhaupt der ausgesuchte den fragebogen durchführt.
Ehrlichkeit beruht auf Gegenseitigkeit
by Beobachter
Man kann nicht nur den Interviewern den schwarzen Peter zuschieben, sondern man muss schon bedenken, dass die befragte Person genauso die Unwahrheit sagen kann( Lügen).Zum Thema Qualitative Marktforschung kann ich nur sagen, dass wenn ein Marktforschungsunternehmen seine Interviewer der Zeit angepasst, dementsprechend gut bezahlt, auch die Qualität der Interviews gesteigert wird, weil wer will schon für einen Hungerlohn, eine gute Arbeit vollbringen? Ein Betrieb der gut bezahlt, bekommt auch motivierte gute hochwertige Interviewer.
Die Interviewertätigkeit ist kein Honiglecken und man hat es auch oft mit Menschen zu tun, die man befragen muss, wo man sich denkt, wo haben sie denn diese Leute ausgelassen, die einem ein "Gschichtl" erzählen, anstatt auf die Fragen des Interviewers einzugehen.
Zu der Dame die geschrieben hat, so Hausnummer wegen der Ausbildung der Interviewer, dass diese nicht wie Studenten 9.Semester ausgebildet werden um Leute von einem Fragebogen
vorzulesen ist ja irgendwie logisch, wenn man gute rethorische Fähigkeiten hat und halbwegs einen gesunden Hausverstand hat, braucht man nicht eine Ausbildung, wie zum Akademiker, wobei ich auch genug Akademiker kenne, die reine Pfeifenköpfe sind, nur von der Theorie eine Ahnung haben und von der Praxis Null Ahnung haben und dann als Taxifahrer oder Kellner/in irgendwo ihren Lebensunterhalt verdienen, weil Stutenden und Akademiker gibs wie Sand am Meer.
Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass die Marktforschungsunternehmen, mehr für die Interviewer bezahlen sollen und sie nicht mit ein paar Euros im Monat abspeisen sollen, dann leidet auch nicht die Qualität darunter, weil ich kann nicht auf eine billige Art und Weise einen Betrieb führen, den Interviewern einen Hungerlohn zahlen, damit ich als Chef mehr am Konto habe und sich dann wundern, wenn die Qualität der Interviews für die Katze ist.
Eines wollte ich noch dazu sagen
by Beobachter
Es gibt auch nach meinen Beobachtungen, leider Gottes viele Leute, die nur zur Marktforschung gehen, weil sie ein Geschenk bekommen und denen die Umfrage im Grunde genommen, Schnurz egal ist.
Man möge mir meinen Tippfehler verzeihen, es heisst natürlich Studenten und nicht Stutenden, nicht das man hier auch noch als Rechtschreibdödelchen abgestempelt wird, nur weil man sich vertippt.
Das wichtigste ist immernoch Vertrauen zu den befragten Menschen, eine gute Einschulung der Interviewer und eine Leistungsgerechte Bezahlung, dass man davon auch Leben kann.
Dann klappts auch mit dem hochwertigen Interviewen.
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