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"Ehrlichkeit" bei Interviews

von Sebastian Räuchle

Da einige Freunde und Bekannte von mir schon häufiger in diversen Call-Centern gearbeitet haben, habe ich die Erfahrung gemacht, daß es viele Interviewer mit der Ehrlichkeit nicht so genau nehmen.
Da viele dieser Interviewer aufgrund der Anzahl der geführten Interviews entlohnt werden, erhielt ich öfter Anrufe in denen ich gefragt wurde, ob diese Freunde/Bekannten nicht schnell mal einen Fragebogen für mich ausfüllen könnten.

Daher meine Frage (richtet sich hauptsächlich an Leute, die auch einmal Interviewer waren/sind):
Ist so ein Verhalten üblich? Inwiefern wird von den Instituten darauf geachtet, daß die Interviewer korrekt arbeiten?



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AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Anna E. Damm

Ich führe Interviews in Lebensmittelketten durch. Dadurch,dass ich die Leute direkt befrage, kann es auch vorkommen, dass mir einer aus dem Institut (ein mir Unbekannter) gegenübersteht und sich interviewen lässt.
Diese Kontrolle wurde mir bei der (mageren) Einschulung angekündigt. Was nicht heißt, dass ich weiß wann ich kontrolliert werde.
Aber schon allein die Möglichkeit hält mich und meine KollegInnen davon ab zu schummeln.
Andererseits, weiß ich ja (nicht zuletzt durch die besuchten Vorlesungen) warum ich da stehe und die Leute befrage.
Es ist eine Arbeit wie andere auch - also sollte ich auch so arbeiten wie es von mir verlangt wird.
Anders ist es reine Gaunerei!
lg Grüße an deine Bekannten!

anna

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Ines Marizzi

Ich möchte ehrlich sein: Ich habe ca. 1 Jahr lang bei einem renommierten Markt- und Meinungsforschungsinstitut gearbeitet (Telefonumfragen), muss an dieser Stelle aber feststellen, dass die Ergebnisse, die von diesem Institut veröffentlich werden, meiner Meinung nach nicht immer zu 100% repräsentativ sind. Während meiner Zeit als Interviewerin wurde ich nach Fragebögen/Stunde entlohnt. Nach anfangs wirklich ernst genommener Aufgabe und den damit verbundenen Stunden, in denen ich nicht wirklich viele Interviews zusammenbekam, fing auch ich an, hin und wieder Bekannte und/oder Freunde anzurufen, damit sie mir einen Fragebogen ausfüllen. Dies mag daran liegen, dass wir Interviewer eine miserable Einschulung in die jeweilige Studie hatten. Demnach finde ich es sehr wichtig, dass die Interviewer laufend überprüft werden. Hinten nach bereue ich es, da nicht nur ich, sondern auch meine Arbeitskollegen somit gravierend das Ergebnis verfälscht haben.

Liebe Grüße
Ines

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Anna Kampka

Hallo!

Vor ungefähr zwei Jahren war auch ich als Interviewerin für ein Marktforschungsinstitut tätig.

Bei einer Telefonumfrage zur Barbara Karlich Talkshow wurden kurze ("Nicht-Seher" der Show) und lange 45-60 min! (Seher der Sendung, mit Kabel oder Sat) Interviews durchgeführt. Derartig lange Interviews mit mehrheitlich älteren (Karlich) Menschen sind nicht nur beiderseits sehr mühsam, sondern auch fast nicht korrekt durchführbar.

Wenn ungefähr 15 mögliche Talkshow-Themen, jeweils danach bewertet werden sollen, wie gut sie gefallen, wie gut sie zur Karlich- und anderen Shows passen, kann man die mit der Zeit immer genervteren Interviewten nicht immer zu Antworten wie "stimme eher zu" bewegen. Antworten wie "sehr" oder "ja" sind da realistischere Ziele. Man versucht aus dem Tonfall des Jas den Grad der Zustimmung zu bestimen, und fragt nur in subjektiven Zweifelsfällen oder bei naja-Antworten nach. Wohlgemerkt dauerten die Interviews trotz dieser schlampigen Durchführung fast eine Stunde.

Ich denke, daß die Schuld hier weniger "uns" Interviewer traf, als die Planer der Umfrage. Telefonumfragen dürfen einfach nicht so lange dauern, und für die Befragten ist es auch sehr mühsam, die gleichen ca. 15 Statements nach immer neuen Gesichtspunkten zu bewerten. Würden die Interviewten dann noch zu einer exaten Antwort-Form "genötigt",hätte es sicher wahnsinnig viele Abbrüche gegeben.

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, daß bei kürzeren Interviews das wiederholte Nachfragen als viel weniger unangenehm empfungen wird.

Doch mit der schlampigen Interviewführung nicht genug, auch bei der Stichprobe wurde gepfuscht. Da es nur wenige (und fast ausschließlich ältere) Personen gab, die über Kabel bzw. Sat verfügten, und trotzdem die Karlich-Show sahen, konnten weniger lange Interviews als benötigt geführt werden. Daher wurden wir am Ende des Untersuchungszeitraums vom Institut! aus damit beauftragt, Bekannte anzurufen, auf welche die Karlich+Kabel/Sat-Voraussetzung zutraf. Der Quotenplan war zu diesem Zeitpunkt egal, auf demografische Merkmale wurde nicht mehr geachtet.

Damit will ich sagen, daß eine schlampige Durchführung nicht nur die Schuld der Interviewer ist, sondern das auch von Instituten Fehler begangen werden und/oder die korrekte Durchführung durch schlechte Planung erschwert wird.

Diese "Horrorgeschichte" hat sich nicht in einem no-name- sondern in einem durchaus renommierten Institut (tätig u.a. für ORF, Kurier, auch am online-Sektor bedeutend - wer sich auskennt, weiß jetzt eh wer´s war) zugetragen. Um falschen Spekulationen vorzubeugen: Es war kein Karmasin-Institut.

Tut mit leid, wenn das jetzt ein bißchen lang war, war damals aber doch recht frustrierend, warum ich diesbezüglich immer noch gerne Dampf
ablasse.

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Georg Franz

Antworte mir selbst, um eine Ergänzung anzubringen (dann ist aber wirklich Schluß für heute, versprochen):

Mein Statement soll nicht das doch recht leicht identifizierbare Institut in Mißkredit bringen (auch wenn ich bei deren Untersuchungen kritischer bin - das ist aber meine subjektive! Meinung), sondern Fehler die in der Realität passieren aufzeigen.

Also für´s Protokoll: Ich weiß nicht in welcher Form die Ergebnisse dem Auftraggeber übermittelt wurden, ich behaupte also nicht das der Umstand der zu wenigen langen Interviews und das damit verbundene Verlassen des Quotenplans verheimlicht wurde. Zu zeitaufwendige Telefoninterviews und lange Matrix-Fragenblöcke werden vermutlich nicht nur bei diesem Institut zu Problemen führen.

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by Ulrich Albl

Hallo

Auch ich war schon als Telefoninterviewer tätig, allerdings ist das schon ein paar Jahre her. Meine Aufgabe war es Installateure in der Schweiz anzuufen und sie zu den Heizkesseln, die sie vertreiben, zu befragen.
Ich bekam namen und telefonnummern und einen zeitrahmen von 2 wochen um alles zu erledigen. Anschließend unterhielten wir uns darüber wieviele Stunden ich benötigte (wer die Schweizer kennt weiss, dass es manchmal etwas länger dauern kann) und wieviel Telefonkostenrückerstattung ich erhalten sollte.
Nachdem er mit dem ergebmis seht zufrieden war und ich die Stundenanzahl auch ehrlich angab (obwohl die deutlich höher war als in D, und Ö) wurde mir alles bezahlt was ich angab und ich hielt es eigentlich nir für notwendig einen fragebogen zu faken, oder einen freund anzurufen....

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by martin jeschke

ich habe selbst einmal bei einem markt und meinungsforschungs institut gearbeitet. nicht in einem call-center. ich mußte mit fragebögen ein gewisses ziel erreichen ( z.b. 10 m/f unter 15, 20 m/f zwischen 20 und 30 dabei akademiker/nichtakademiker usw) pro fragebogen habe ich dann ein entgeld bekommen. ich hätte naturlich auch alle fragebögen selber ausfüllen können oder freunde befragen können. ich habe dies nicht getan, da ich leider ein zu ehrlicher mensch bin. und so wird es auch mit den anderen sein - die einen sind ehrlich, die anderen nicht.

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by Johanna Karner

Ich selber habe zwar noch nicht als Interv. gearbeitet, habe jedoch schon die Erfahrung gemacht , von Bekannten gebeten worden zu sein schnell ein paar Fragebögen auszufüllen..
Ich denke es kommt auf jeden "Arbeitnehmer" , in jedem Berufsfeld selber an inwieweit er/sie die geforderte Arbeit ernst nimmt und ehrlich meint. Ich für meinen Teil fühle mich schon verpflichtet wenn ich in einem Unternehmen für meine Arbeit entlohnt werde diese auch gewissenhaft durchzuführen.

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by Doris Appeltauer

Ich denke, daß man nicht alle Interviewer in einen Topf werfen kann. Die einen nehmen die Arbeit mehr ernst als andere.
Meiner Meinung nach hängt das damit zusammen, welchen Bezug man zu der Markt- und Meinungsforschung hat. Tut man die Arbeit "nur" um Geld zu verdienen wird man eher geneigt sein die Ergebnisse zu fälschen.
Deshalb wäre zu überlegen, ob hauptsächlich Studenten, welche die Arbeit nur für einen begrenzten Zeitraum annehmen, die idealen Interviewer sind. Mir ist schon bewußt, daß dies eine Geldfrage ist - Studenten sind billiger - aber unter diesen Voraussetzungen muß auch das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Fälschungen in Kauf nehmen.
Durch die Fälschung der Befragung wird auch das Image von Markt- und Meinungsforschungen im Allgemeinen schlechter.
Ich würde sagen, daß diese Berufsauffassung vom Interviewer abhängt und nicht an das Institut, bei dem man beschäftigt ist, umgelegt werden kann.
Liebe Grüße Doris

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Brigitte Rechberger

Ich hab zwar auch nie als Interviewerin gearbeitet, aber ich muss leider sagen, dass alle Interviews, bei denen ich bisher gebeten wurde mitzumachen, ziemlich unseriös waren. Meistens ist der Interviewer irgendein Bekannter, der halt seinen Job machen muss. Und entweder sollte ich - wie ihr schon erwähnt habt - gleich mehrere Fragebögen ausfüllen oder der Interviewer hat mir seine gewünschten Antworten praktisch aufgedrängt.

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Dagmar Thenner

Es wurde in der Diskussion die schlechte Ausbildung der Interviewer angesprochen - wobei ich schlecht ja noch sehr gelinde ausgedrückt finde! Aus meiner eigenen Erfahrung: Vor etwas mehr als zwei Monaten habe ich mich auf ein Inserat in einer (seriösen) Zeitung hin bei einem Mafo Institut beworben. Dieses Institut nennt sich das größte und qualifizierteste in Österreich laut Eigendefinition. So viel so gut. Ich wurde zu einem Gespräch gebeten und fand mich dort in einer Runde von ungefähr 15 Mitbewerbern wieder. Wir bekamen von einer Institutsdame einen kurzen Einblick in die rechtliche Situation unserer zukünftigen Verträge und die Anmeldeformulare in die Hand gedrückt. Das wars dann auch schon. Keine Einschulung, nicht mal eine ungefähre Anweisung. Nur der Hinweis, daß man eine gewisse Anzahl von Fragebögen in einer gewissen Zeit erfüllen muß, sonst gibts kein Geld....
Ich habe den Job nicht angenommen, da ich keinen Sinn in einer Tätigkeit sehe, die ich aufgrund fehlender Ausbildung nicht gut ausführen kann. Aber ich verstehe jetzt ein bißchen besser, warum manche Leute eine so schlechte Meinung von Umfragen haben und nicht daran teilnehmen wollen...

Gruß Dagmar

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by isabell magyar

hi

ich arbeite selbst nebenbei in der marktforschung und genau auch unser institut hat das problem mit der ungenauigkeit bzw unehrlichkeit der interviewer- da diese nach interviewanzahl und nicht nach zeit bezahlt werden, müssen sie oft schummeln um möglichst viel gend zubekommen!
welche auswirkung das auf unsere auswertungen hat, könnt ihr euch ja vorstellen.......

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Sabine Hamscha

Ich glaube, daß man sich bei diesem Beruf als Interviewer wirklich sehr dafür begeistern muß. Wenn man den Job nur macht um Geld zu verdienen, dann neigt man eher dazu Interviews zu erfinden oder einfach seine Freunde/Bekannten dazu zu bringen, Fragen zu beantworten, obwohl manchmal die Zielgruppe gar nicht übereinstimmt.

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Herbert Szilagyi

Also, ich wollte auch bei einem Marktforschungsinstitut zu arbeiten beginnen, war bei der Bewerbung (oder Vorbesprechung). Die Einführung und Informationen die wir von der Leiterin erhalten haben waren sehr dürftig. Demnach ist es kein Wunder, wenn die Leute solchen Umfragen sehr skeptisch und mißtrauisch gegenüber stehen. Außerdem kenne ich noch einen Freund, der jetzt bei einem Marktforschungsinstitut arbeitet, der schon öfters in Studentenheimen war, und diese Umfragen alles andere als korrekt durchführte. Also die Antworten wurden teileise schon gelenkt, und die Befragten waren einmal männlich, dann weiblich, mal Akademiker, mal Pensionist... Ihr wisst schon was ich meine. Solche Umfragen bringen dann natürlich gar nichts und verfälschen alles. Ich bin skeptisch, ob das nicht auch bei vielen anderen der Fall ist, die nach Interviews bezahlt werden....

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Matthias Knochenhut

Hi,

wieso, so frage ich mich, werden weiterhin Akkordlöhne in der MaFo gezahlt. Nun gut, Geld für Leistung hat schon was für sich, allerdings ist in dieser Diskussion durch die Bank das Statement zu hören:"Naja, so ehrlich sind viele Interviewer in der Ausübung ihres Jobs nicht."
Ich glaube, dass es sich dabei mittlerweile schon um eine landläufige Meinung handelt, bzw. man nicht erst ein MaFo-Seminar besuchen muss, um zu dieser Auffassung zu gelangen.

Deswegen: Warum rechnet sich dieses "Laissez faire" trotzdem? Wieso investieren Firmen nicht lieber ein wenig mehr in Umfrageergebnisse korrekt arbeitender Institute!?

Scheinbar nimmt der Auftraggeber schon a priori Verfälschung in Kauf und ist bereit diese zu entgelten. Wahrlich sonderbar, oder?

lgm

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by richard wolf

hallo,
schade, dass die einträge in diesem forum nicht nach eingangsdatum / zeit geordnet sind.
ich weiss nie, was ich schon gelesen hab und was nicht.
eine interessante frage, ob die auftraggeber der institute mit einer gewissen
verfälschung rechnen, bzw. wissen, dass hier oft geschummelt wird? weil
wenn es wirklich so wichtig wäre, hätten sie meiner meinung nach schon etwas dagegen getan
dass die möglichkeit sich den job zu erleichtern von den interviewern
genutzt wird, ist für mich selbstverständlich. warum sollten sie eine
moral der firma gegenüber haben?

richard

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Klara Raffelstetter

Ich habe auch schon als Interviewerin bei einem Mafo-Institut gearbeitet und die Erfahrung gemacht, daß es nicht notwendig ist, bei der Arbeit zu schummeln, wenn man mit den Probanden höflich umgeht und einen guten Gesprächseinstieg findet. Es gibt in jedem Beruf solche ArbeitnehmerInnen, die ihre Arbeit nicht erst nehmen und auf allen möglichen Wegen versuchen, sich ihre Arbeit zu erleichtern. Bei InterviewerInnen von Mafo-Instituten haben solche "Arbeitserleichterungen" natürlich gravierende Auswirkungen. Und es sind ja nicht nur Mafo-Freaks, die als InterviewerInnen arbeiten sondern auch solche, die mit möglichst vielen ausgefüllten Fragebögen möglichst viel Geld verdienen wollen. Ich fände es allgemein wichtig, verstärkt an das Moral- und Verantwortungsbewußtsein von InterviewerInnen zu appellieren.
Lg, Klara.

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Andrea Hackl

Die Frage, ob hauptsächlich STUDENTEN diesen Job machen sollten halte ich schon für ein bisschen fragwürdig. Schließlich unterstellt du hier (ganz öffentlich), das Studenten (aus den diversen Gründen) "schlechtere" Mitarbeiter wären und unterstützt damit die Vorurteile die in der Arbeitswelt immer noch gegenüber Studenten herrschen.

Sicher gehen viele nur sehr halbherzig an die Sache heran, aber das liegt nach meinem Empfinden SCHON AUCH an den jeweiligen Instituten. Wenn man seinen Mitarbeitern das Gefühl gibt, dass sie sinnvolle Arbeit leisten, und dazu ist nunmal Information nötig (die ja oft nicht gegeben wird), und sie dementspechend motiviert (nicht nur mit Kohle!), schult und natürlich auch kontrolliert (wie das eine Kollegin ja auch schon geschildert hat), dann bin ich mir sicher, können die ganz extremen Ausfälle verhindert werden.

Es wird immer "schwarze Schafe geben" und vielleicht seh ich die ganze Sache auch wenig zu idealistisch und die Studenten sind wirklich ein arbeitsscheues faules Pack? Wahrscheinlich ist es "das System" und eines gibt das andere!

Aber aus meiner Erfahrung weiß ich, dass wenn man den Leuten Verantwortung gibt, wissen sie meist auch damit umzugehen.
A.

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Katharina Kröll

das Problem bei dieser Art von Interviewführung ist meiner Meinung nach nicht nur ein kurzfristiges, in dem das Ergebnis der Studie verfälscht wird, sondern hat aich langfristigen Einfluss auf das Image der Marktforschung in Österreich. Wie man bei der Flut von Kommentaren gesehen hat, kennt eigentlich jeder jemanden, der schon einmal für ein Mafo-Insitut gearbeitet hat, wo in grobem Maße die Ergebnisse verfälscht wurden. Die Folge ist natürlich eine sinkende Glaubwürdigkeit der Marktforschung im Allgemeinen - und damit verbunden ist meiner Meinung auch die mangelnde Bereitschaft, bei einer Umfrage teilzunehmen. Warum sollte man schließlich seine Zeit opfern, wenn man die Ernsthaftigkeit von Anfang an in Frage stellen kann?

Ich denke jedenfalls auch, dass die Verantwortung für eine korrekte Durchführung einer Studie beim jeweiligen Institut liegt - schließlich muss das Problem von "unehrlichen Interviewern" schon bekannt sein. In vielen Fällen wird aber offenbar der Fokus eher auf schnelle Ergebnisse gelegt und der Zeitdruck einfach auf die Interviewer abgewälzt.

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by Luise Walchshofer

Zwar habe ich persönlich noch nie als Interviewer gearbeitet, wohl aber einige sehr gute Freunde von mir und aus deren Erzählungen weiß ich, daß es oft nicht so leicht ist mit der Ehrlichkeit. Ich meine, diese Leute würden zwar keinen Fragebogen für jemand anderen ausfüllen, aber oft will der Proband die Fragen aus Angst vor möglicher Kenntnismängel nicht beantworten und delegiert die Umfrage dann. (Oft geschehen bei Umfragen über Internet und PC: Eltern wollen die Fragen nicht beantworten und geben an ihre Kinder weiter.) Dies ist dann eine Stichprobenverfälschung, aber es ist dem Interviewer egal, wie eine Kollegin das bereits erwähnt hat.
Außerdem rechnen viele Interviewer meiner Ansicht nach damit, daß der Proband seinerseits ja auch nicht ehrlich ist und findet deshalb vielleicht, daß seine eigene Unehrlichkeit auch keinen großen Schaden mehr anrichtet, weil die Unerhrlichkeit des Probanden schon die Ergebnisse verfälscht. Nachdem aber weder alle Interviewer noch alle Probanden unehrlich sind, bleibt die Repräsentativität von gut ausgearbeiteten Umfragen relativ hoch und deshalb sind Firmen auch bereit diesen Laissez faire Stil - wie es Hr. Knochenhut passenderweise bezeichnet hat - durchgehen zu lassen und zu bezahlen.
Mfg, Luise.

AW: "Ehrlichkeit" bei Interviews

by magdalena schwarz

> Da einige Freunde und Bekannte von mir schon häufiger in
> diversen Call-Centern gearbeitet haben, habe ich die
> Erfahrung gemacht, daß es viele Interviewer mit der
> Ehrlichkeit nicht so genau nehmen.
> Da viele dieser Interviewer aufgrund der Anzahl der
> geführten Interviews entlohnt werden, erhielt ich öfter
> Anrufe in denen ich gefragt wurde, ob diese
> Freunde/Bekannten nicht schnell mal einen Fragebogen für
> mich ausfüllen könnten.
>
> Daher meine Frage (richtet sich hauptsächlich an Leute, die
> auch einmal Interviewer waren/sind):
> Ist so ein Verhalten üblich? Inwiefern wird von den
> Instituten darauf geachtet, daß die Interviewer korrekt
> arbeiten?



Ich glaube, daß es mit der Ehrlichkeit sowohl Interviewer als auch Interviewter nicht so ernst nehmen, wichtig ist im Endeffekt für den Interviewer nur der ausgefüllte Fragebogen. Seine Aufgabe liegt darin, möglichst viel Material ein sein Institut abzuliefern, und nicht darin zu überprüfen ob der Befragte seriös gewirkt hat, ob man ihm/ihr glauben kann. Ich hoffe, daß es in renommierten Unternehmen etwas anders abläuft und der Interviewer zum einen vor allzeit möglichen Kontrollen gewarnt wird und daher selbst nicht unprofessionell arbeitet. Zum anderen wäre interessant zu erfahren, welche Methoden man als Meinungsforscher anwenden kann um die Glaubwürdigkeit seiner Befragten zu überprüfen. Kann man ähnliche Drohmechanismen einbauen , wie man es mit dem Interviewer machen kann ? Und wie könnten diese aussehen? Oder glaubt ihr, daß man den Antworten, die auf sozialer Erwünschtheit basieren, einfach nicht auf die Schliche kommen kann, bzw. nichts unternehmen kann um seinen Befragten zu veranlassen, daß zu sagen was er/sie denkt und nicht das was gesellschaftlich anerkannt ist? Ich denke mir, gerade die Anonymität müßte einiges von diesen verfälschten Antworten wett machen. Gerade am Telefon oder im I-Net, also da wo man seinem Interviewer nicht dirket gegenübersteht, glaube ich ist die Ehrlichkeit wesentlich dominanter als in face-to face Interviews.
Have a nice day. Magdalena




 
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