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Dr. René Kropelnicki
Dr. René Kropelnicki

Early Adopters online

Zweifellos wird man in naher Zukunft die Perspektiven und Methoden der Marktforschung um einige Aspekte erweitern müssen. Die Rede ist jetzt nicht von der zur Zeit vieldiskutierten Online-Mafo, sondern von einer "Erhebungsmethode", die erst oder gerade durch die Interaktivität des Internet möglich geworden ist: das moderierte Forum.

Ein moderiertes Forum ist vorerst einmal ein Ort des Informations-, Erfahrungs- und Meinungsaustausches. Betreiber von Websites haben verschiedene Motive, Foren in ihr Programm aufzunehmen: sie bringen Traffic, sie schaffen Userbindung, sie bieten Lebenshilfe.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt von Foren ist, dass eine grosse Zahl an Teilnehmern sehr einfach und kostengünstig die Arbeit an einem bestimmten Projekt vorantreiben kann: so organisieren sich die Zehntausenden Entwickler von OpenSource-Projekten weltweit in Online-Foren.

Und wen wunderts: Was für die Entwicklung dieser Projekte strukturell und ökonomisch notwendig ist, machen sich jetzt die grossen, kommerziell orientierten Software-Konzerne (wie z.B. Microsoft) zu Nutze. Was für die nerds und geeks so lebensnotwendig ist wie Pizza und Cola, erspart den kommerziell orientierten Software-Giganten Millionen $ an klassischen Marktforschungskosten.

Und das funktioniert so: Microsoft sponsert z.B. ein moderiertes Forum, in dem die Erfahrungen im Umgang mit der neuesten Beta-Version des Internet Explorer 7 ausgetauscht werden. Die Mitglieder dieses Forums - ausgewiesene Technikfreaks, Pioniere der neuesten Applikationen und early adopters - erhalten natürlich kostenlos diese noch fehlerbehaftete Software, kommunizieren ausführlich über bugs und Mängel.

Die Moderatoren dieses Forums, die steuernd in den Kommunikationsprozess eingreifen, dokumentieren diesen Kommunikationsprozess und nach 3 Monaten erhält der Auftraggeber einen Report mit unschätzbaren Daten über die Fehlerberichte des neuen Explorer. D.h., Microsoft kann noch vor der endgültigen Freigabe bereits Produktmängel beseitigen, die ohne das Forum erst durch imageschädigendes und langwieriges Anwenderfeedback bekannt würden.

Natürlich funktioniert dieses Prinzip zurzeit - ähnlich wie bei der Repräsentativitätsfrage der Online-Marktforschung - nur in speziellen Zielgruppen mit speziellen Produkten. Doch mit der weiteren Verbreitung des Internet wird auch das Anwendungsgebiet dieser neuen Möglichkeiten zur Datengewinnung grösser werden. Und irgendwann sind auch die earliest adopters ganz gewöhnliche Anwender, aber dafür dann die restlichen 50% noch Webabstinenten emsige Surfer ...

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